Montag, 24. Oktober 2011

Interview frisch von der Buchmesse

Corinna vom Blog Nachtgedanken hatte die Chance, Kerstin Gier ein bisschen auszufragen. Hier einige Auszüge:

Demnächst erscheint ja dein neues Buch: „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“. Ich kenne dieses Sprichwort eigentlich nur aus dem Englischen. Wie findet sich der Titel in deinem Roman wieder?

Der Aufhänger der Geschichte ist eine “Frau zwischen zwei Männern”-Situation. Der Titel bezieht sich auf das „The grass is greener”-Syndrom, das in USA und England die klassische Midlife-Crisis bezeichnet, mit den typischen Fragen: Wenn man sich in einer längeren Beziehung fragt: Soll es das gewesen sein? Und ist er wirklich der, mit dem ich jetzt alt werden soll, oder wäre vielleicht ein anderer die bessere Wahl gewesen? Meine Protagonistin verliebt sich in einen anderen Mann und darf, anders als wir normalen Menschen, im Roman ein Experiment machen: sie wird in der Zeit zurückgeschleudert und kann die letzten fünf Jahre – dieses Mal mit dem anderen Mann – noch einmal leben. Es hat unglaublich Spaß gemacht, diese Geschichte zu schreiben, weil während des Schreibens so viele von meinen eigenen Fragen beantwortet wurden: Wie viel muss man an einer Beziehung arbeiten, wie viel darf man an der Beziehung arbeiten? Wie kann man sich davor schützen, sich in jemand anders zu verlieben, wenn man eigentlich glücklich gebunden ist? Darf man das vielleicht sogar ausleben? Und wenn ja, wie weit darf man gehen? Vielleicht habe ich deshalb auch so lange dafür gebraucht, bin aber jetzt sehr zufrieden mit dem Buch. Nebenbei ist es auch noch sehr lustig. (kichert).

Wie alle deine Bücher!

Das ist aber am allerlustigsten! Es ist wirklich lustig (kichert)!

Spielt der Esel eine große Rolle?

Der Esel passt halt wunderschön zu diesem Motto. Ich hatte den Verlag gebeten, mal keine Frau vorne drauf zu pappen. Und dieser Esel passt wirklich wie die Faust aufs Auge zu der Geschichte. Zusätzlich habe ich auch versucht, sie noch ein bisschen passender zu machen. Esel ist in dem Fall auch der Kosename für die Protagonistin.

Du hast vorhin gesagt, du hast meistens am Ende eines Buches schon die Idee für ein nächstes Buch, aber nächstes Jahr möchtest du es erstmal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Kannst du uns schon was über ein nächstes Projekt sagen?

Ich habe eine sehr schöne Idee für einen Jugendbuch-Mehrteiler, kann und will aber gar nicht viel über den Inhalt sagen. Es wird so sein, dass ich erst mal ohne einen Vertrag schreibe, ohne einen Abgabetermin, ohne einen Erscheinungstermin. Ich werde gucken, wie das ist, mal ohne Druck zu schreiben. Ob ich das überhaupt kann. Vielleicht mache ich dann ja auch gar nichts.

Was ist das Beste daran, eine sehr erfolgreiche Autorin zu sein, und was ist das Nervigste?

Das mit dem Erfolg nervt überhaupt nicht. Ehrlich, es ist großartig, dass sich die Arbeit endlich auch mal lohnt. Ich finde gut, dass ich im Moment keine finanziellen Sorgen habe. Ich habe zwar nie besonders darunter gelitten, dass das Konto am Ende des Jahres immer sehr, sehr weit im Minus war, aber so ist es deutlich schöner. So kann man auch mal ein bisschen großzügig sein. Das einzige, was stört und zusätzlichen Druck ausübt, ist, dass man an seinen Verkaufszahlen gemessen wird. Wenn man zehntausend Bücher verkauft, ist man zufrieden und glücklich, und alles ist gut. Wenn man hunderttausend Bücher verkauft, dann fragen sich die Leute, warum, und gucken ein bisschen genauer hin. Ich möchte natürlich nicht „grundlos“ viele Bücher verkaufen (lacht).

Du hast in unserem Vorgespräch Interviews erwähnt, die nicht ganz mit deinen Antworten übereingestimmt haben. Hast du noch eine Anekdote aus deinem Schriftstellerleben für uns?

Du meinst, was man unterwegs erlebt, zum Beispiel auf Lesereisen? Mittlerweile sind die Lesungen, die ich für den Bastei-Lübbe Verlag mache immer ausschließlich schöne Erlebnisse. Aber früher war das manchmal anders. Ich erinnere mich zum Beispiel an diese malerische Stadt im Osten, wo exakt vier Leute in der Lesung saßen. Die Stadt ist später überschwemmt worden, übrigens. Ich glaube, zur Strafe. Nein, das war ein Witz. Zwei der Zuhörer gehörten zur Bibliothek, ansonsten gab es zwei zahlende Gäste, einer davon ein Mann. Heute würde ich mit den beiden nach nebenan einen Wein trinken gehen, anstatt zu lesen. Aber damals war ich noch jung und unerfahren und dachte, das müsste ich jetzt durchziehen. Nach ein paar Minuten stand der Mann auf und sagte: “Sie sind ja gar nicht der Mann, der sich einen Einbaum geschnitzt hat und damit den Amazonas runtergerudert ist.“ Und weil ich nicht widersprechen konnte, ist er gegangen …

Ja, es ist ja eigentlich ziemlich offensichtlich, dass du kein Mann bist!

(Kichert) Nach fünf Minuten! „Sie sind ja gar nicht der Mann, der sich einen Einbaum geschnitzt hat!“ – . – „Doch! Ich bin hier nur verkleidet!“

Witzig, dachte das selbe als ich auf der Lesung war...bin aber aus Höflichkeit sitzen geblieben XD Neee, Sachen gibts...^^

Na los! Ganzes Interview lesen!

Keine Kommentare: